#76 KlimaGoodNews: Mehr aus Weniger
Die Kreislaufwirtschaft ist im Aufschwung. Wiederverwendung, Reparatur, Refurbishment und Recycling gelten längst nicht mehr nur als ökologische Pflicht, sondern zunehmend auch als ökonomische Chance. 2021 erzielte die Branche in Deutschland 105 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt heute ähnlich viele Menschen wie die gesamte Energiewirtschaft.
Ihr Prinzip geht über die klassische Abfallverwertung hinaus: Produkte und Materialien sollen so gestaltet und genutzt werden, dass sie möglichst lange im Umlauf bleiben. Das senkt den Rohstoffverbrauch, verringert Emissionen und macht unabhängiger von Importen. Richtig umgesetzt kann eine Kreislaufwirtschaft bis zu 39 % der globalen Emissionen vermeiden - vor allem in Industrie, Mobilität und Ernährung.
Die EU fördert zunehmend resiliente Lieferketten, nachhaltige Produktgestaltung und neue Technologien mit dem Ziel, ökologische und wirtschaftliche Interessen miteinander zu verbinden und langfristig eine zukunftsfähige Wirtschaftsstruktur zu etablieren. Dazu schaffen innovative Verfahren wie die Aufarbeitung gebrauchter Geräte, KI-gestützte Sortierung oder neue Geschäftsmodelle wie Miet- und Reparaturservices zukunftsfähige Märkte und Arbeitsplätze. Immer mehr Start-ups und Unternehmen erkennen das Potenzial dieser nachhaltigen Transformation.
Ganz im Zeichen der Ressourcenschonung steht daher auch diese Ausgabe der KlimaGoodNews. Viel Freude beim Lesen 💚
Verpackungswende 2025: Recycling wird zum Standard
Die europäische Verpackungslandschaft wandelt sich 2025 grundlegend. Neue Gesetze und technologische Fortschritte fördern den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft.
Mit der neuen EU-Verordnung 2025/40 wird Recycling erstmals europaweit verpflichtend. Verpackungen müssen recyclingfähig gestaltet sein, bestimmte Einwegmaterialien verschwinden schrittweise vom Markt und Hersteller müssen einen festen Anteil recycelten Materials verwenden. Zudem tragen Unternehmen mehr Verantwortung: Sie müssen dokumentieren, welche Verpackungen sie in Umlauf bringen, und nachweisen, dass diese in zertifizierten Systemen gesammelt und recycelt werden.
Gleichzeitig verbessern Innovationen die Recyclingfähigkeit. Verpackungen aus nur einem Kunststofftyp erleichtern die Sortierung und digitale Wasserzeichen ermöglichen eine präzise Trennung in automatisierten Anlagen. Auch neue biologisch abbaubare Materialien – etwa aus Zellulose oder Algen – sind maschinell recycelbar und erweitern die Optionen für nachhaltige Verpackungen.
Auch Mehrweg- und Rücknahmesysteme gewinnen an Bedeutung dank digitaler Plattformen und neuer Pfandmodelle, die Verbraucher:innen die Rückgabe erleichtern. Zugleich fördern viele Kommunen Strukturen, die Verpackungen von Anfang an vermeiden.
Trotz bestehender Herausforderungen bei Sortierung und Kosten ist die Richtung klar: Die Verpackungswirtschaft entwickelt sich vom Einwegmodell hin zur zirkulären Nutzung von Materialien.
Innovative Ansätze beim Rohstoffrecycling von Windrädern und Solarmodulen
Erneuerbare Energien boomen: In Deutschland lag der Anteil an Strom aus erneuerbaren Quellen im vergangenen Jahr bei einem Rekordwert von rund 60 Prozent. Das Recycling ausgemusterter Anlagen nach bis zu 30 Jahren bleibt bisher eine Herausforderung. Neue Technologien könnten das bald ändern.
Ein Forschungsteam am Fraunhofer Center für Silizium-Photovoltaik in Halle arbeitet daran, das in Solarmodulen enthaltene Silizium nachhaltig und hochrein zurückzugewinnen. Das spart langfristig CO₂ gegenüber der energieintensiven Neuproduktion.
Auch ein Dresdner Unternehmen entwickelt innovative Lösungen: Mithilfe von Lichtblitzen werden Solarmodule vor Ort zerlegt und ihre Bestandteile auf diese Weise effizient getrennt.
Bei Windkraftanlagen setzt ein Betrieb aus Aschersleben auf ein alternatives Verfahren für Rotorblätter, die bisher meist in Zementwerken verbrannt wurden. Stattdessen werden sie zerkleinert und zu Baustoffen in der Bauindustrie weiterverarbeitet, beispielsweise für Fassaden oder Terrassendielen.
Mithilfe von technologischen Ansätzen wie diesen könnte das Recycling von Anlagen erneuerbarer Energien bald zu einem festen Bestandteil nachhaltiger Wirtschaftskreisläufe werden.
🎊 Earthly Delights
Mit Viren gegen Rohstoffverschwendung
In Freiberg, einer Stadt mit bergbaulicher Tradition, arbeitet die Biologin Franziska Lederer an neuen Wegen zur Rückgewinnung seltener Erden. Am Helmholtz-Institut für Ressourcentechnologie entwickelt sie ein Verfahren, das auf dem sogenannten Phagen-Display basiert: Dabei werden Bruchstücke von Viren genutzt, die gezielt an Metalle binden und deren Rückgewinnung ermöglichen.
Die „Bio-Angel“ funktioniert wie ein molekularer Magnet. Sie fischt mit Proteinen und Mini-Magneten wertvolle Metalle aus dem Leuchtpulver alter Lampen. Materialien, die sonst im Sondermüll landen würden, lassen sich so zurückgewinnen.
Franziska Lederer setzt damit auf eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Bergbau, der heute überwiegend in China stattfindet und viele umweltschädliche Verarbeitungsschritte erfordert. Das Leuchtpulver aus alten Lampen weist dagegen einen Gehalt von bis zu 20 Prozent seltener Erden auf und lässt sich mit nur vier Prozessschritten effizient recyceln.
Das Verfahren steht kurz vor der industriellen Anwendung. Ziel ist eine europaweite Verwertung, nicht nur von Lampen, sondern auch von Smartphones oder perspektivisch sogar Mikroplastik. Lederers Ansatz könnte so zu einer Schlüsseltechnologie für nachhaltiges Rohstoffmanagement werden.
💯 Zahl der Woche
4,8% weniger: Deutschlands Abfallmenge sinkt deutlich
Im Jahr 2023 produzierte Deutschland so wenig Müll wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sank das gesamte Abfallaufkommen um 4,8 Prozent auf rund 380 Millionen Tonnen. Das ist der niedrigste Stand seit 2010.
Deutlich zurück ging die Menge an Bau- und Abbruchabfällen. Mit weniger als 200 Millionen Tonnen fiel diese Abfallart erstmals seit 2012 unter diese Marke. Der Rückgang von 8,1 Prozent beeinflusste die Gesamtbilanz besonders stark, da diese Kategorie mehr als die Hälfte des gesamten Müllaufkommens ausmacht.
Auch Produktions- und Gewerbeabfälle sanken um 3,3 Prozent. Abfälle aus dem Bergbau nahmen um 1,4 Prozent ab. Ein leichter Anstieg zeigte sich hingegen bei Haushalts- und vergleichbaren Siedlungsabfällen mit einem Plus von 0,6 Prozent.
Besonders positiv ist die stabile Verwertungsquote: 2023 wurden rund 313 Millionen Tonnen Abfälle verwertet, das entspricht 82 Prozent des gesamten Müllaufkommens. Der Großteil konnte recycelt und dem Stoffkreislauf erneut zugeführt werden. Diese Verwertungsquote ist seit 2019 stabil und unterstreicht die Bedeutung funktionierender Entsorgungs- und Verwertungssysteme in Deutschland.
💪 Challenge der Woche
Wert schaffen statt wegwerfen
Upcycling - dabei entsteht aus einem scheinbar nutzlosen Gegenstand etwas völlig Neues und oft sogar Wertvolleres. Es geht nicht nur um Kreativität, sondern um einen bewussten Umgang mit Ressourcen und eine alltagstaugliche Antwort auf übermäßigen Konsum und Abfall. Wer upcycelt, verlängert den Lebenszyklus von Gegenständen, spart Energie und Rohstoffe. Das kann dazu beitragen, ein neues Bewusstsein für den Wert von Materialien zu entwickeln.
Die Challenge dieser Woche lautet deshalb:
🔧 Finde einen Gegenstand, den du normalerweise wegwerfen würdest und verwandle ihn in etwas Nützliches oder Schönes.
Hier ein paar Ideen:
- Eine Vase aus einem Schraubglas oder einer alten Tasse
- Ein Mini-Kräutergarten in einer sauberen Plastiktüte
- Eine Pinnwand aus gesammelten Weinkorken
- Ein Wandregal mit alten Gürteln und einem Holzbrett
- Geschenkverpackungen oder Stiftebecher aus Klorollen
- Eine Blumenampel aus leeren Konservendosen
📸 Lust, andere zu inspirieren?
Lass andere sehen, wie kreativ und einfach Upcycling sein kann. Teile ein Foto deiner Idee im Freundeskreis oder auf Social Media.
📚 Suchst du mehr Inspiration?
Im Internet findest du viele viele einfache und kreative Anleitungen zum Nachmachen. Schau zum Beispiel mal hier nach.
Rohstoffe sind endlich, ihre Gewinnung energieintensiv. Upcycling hilft, Materialien länger zu nutzen, Müll zu vermeiden und zeigt ganz praktisch, wie Ressourcenschonung im Alltag funktionieren kann. Viel Spaß beim Ausprobieren!
Vielen Dank fürs Lesen der KlimaGoodNews #76💚
Wir freuen uns schon auf die nächste Ausgabe mit positiven Nachrichten für eine nachhaltigere gemeinsame Zukunft!