#77 KlimaGoodNews: Aufladen für die Zukunft
In Europa hat die Energiewende einen neuen Meilenstein erreicht: Erstmals war die Solarenergie im Juni 2025 die wichtigste Stromquelle in der EU. Mit einem Anteil von 22,1% lag sie vor Kernenergie und Windkraft und markierte damit einen historischen Rekord. Insgesamt wurden 45,4 Terawattstunden Solarstrom erzeugt, genug, um durchschnittlich 340 Millionen Menschen zu versorgen. Auch die Windkraft erzielte neue Höchstwerte, während der Anteil von Kohlestrom auf nur noch 6,1% sank. So niedrig war er noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.
Diese Zahlen zeigen: Der Ausbau eines klimafreundlichen Energiesystems ist auf einem guten Weg. Und das nicht nur in Europa, sondern weltweit. Technologische Fortschritte, sinkende Kosten, politische Fördermaßnahmen und ein wachsendes Bewusstsein für die Klimakrise beschleunigen Investitionen in erneuerbare Energien und machen die Energiewende zunehmend zu einem gesellschaftlichen Gemeinschaftsprojekt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Der Energiebedarf wächst, Stromnetze müssen modernisiert und Speicherkapazitäten ausgebaut werden.
Ganz im Zeichen aktueller Fortschritte und vielversprechender Entwicklungen rund um die Energiewende steht deshalb diese Ausgabe der KlimaGoodNews. Viel Freude beim Lesen 💚
Indien übertrifft Ausbauplan für Erneuerbare Energien
Indien hat einen wichtigen Fortschritt bei der Energiewende erzielt. Mehr als 50% der installierten Stromerzeugungskapazität stammen aus nicht-fossilen Quellen. Dieses Ziel war im Pariser Klimaabkommen erst für 2030 vorgesehen, nun wurde es fünf Jahre früher erreicht.
Von den knapp 485 Gigawatt Gesamtleistung entfallen rund 243 Gigawatt auf erneuerbare und andere nicht-fossile Energieträger. Besonders stark ist der Ausbau bei Solar- und Windenergie mit zusammen 185 Gigawatt. Weitere Beiträge leisten Wasserkraft mit 49 Gigawatt und Atomkraft mit knapp 9 Gigawatt.
Obwohl Kohle für die Netzstabilität weiterhin eine Rolle spielt, wächst der Anteil der Erneuerbaren deutlich schneller. Allein im Jahr 2024 wurden 24,5 Gigawatt Solarenergie neu installiert, ein Zuwachs von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Neben staatlichen Investitionen treiben auch private Unternehmen die Entwicklung voran. In Gujarat entsteht derzeit das größte Projekt für erneuerbare Energien weltweit, das durch eine Kombination aus Windkraft- und Solaranlagen große Mengen klimafreundlicher Energie liefern soll.
Indien steht vor der Herausforderung, seinen rasant steigenden Energiebedarf klimaverträglich zu decken. Der aktuelle Ausbau der Erneuerbaren zeigt, dass das gelingen kann.
Niedersachsens Kommunen profitieren vom Windkraft-Ausbau
Der Windkraftausbau in Niedersachsen kommt voran und bringt finanzielle Vorteile für die Gemeinden. Ein neues Beteiligungsgesetz sorgt dafür, dass Kommunen künftig eine feste Vergütung für Strom erhalten, der durch Windräder auf ihrem Gebiet erzeugt wird.
Allein durch die im vergangenen Jahr genehmigten Anlagen rechnet das Umweltministerium mit rund neun Millionen Euro an jährlichen Zusatzeinnahmen. Im Schnitt fließen pro Windrad etwa 30.000 Euro in die Gemeindekasse. Die Mittel dürfen ausschließlich für freiwillige Aufgaben verwendet werden, etwa für soziale Projekte, Dorfgemeinschaftshäuser, neue Solaranlagen oder kostenfreien Zugang zu Freibädern.
Ein Beispiel ist der Landkreis Rotenburg. Dort sind rund 500 neue Windräder geplant, die den Kommunen künftig bis zu 15 Millionen Euro pro Jahr einbringen könnten. Das Gesetz stärkt nicht nur die lokale Infrastruktur, sondern fördert auch die Akzeptanz der Energiewende vor Ort.
In Landkreisen wie Emsland, Diepholz oder Osnabrück entstehen derzeit besonders viele neue Anlagen. Der Nutzen für die Menschen vor Ort wird damit zunehmend spürbar.
🎊 Earthly Delights
Hybridparks bringen die Energiewende in Balance
Hybridparks vereinen verschiedene erneuerbare Technologien an einem Standort, meist Solar- und Windkraftanlagen in Kombination mit Batteriespeichern. So kann auch bei schwankender Wetterlage rund um die Uhr grüner Strom bereitgestellt werden. Dieses Modell gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Ein Vorzeigeprojekt entsteht derzeit im portugiesischen Pego, wo Wind- und Solaranlagen mit dem größten Batteriespeicher Europas sowie einem Elektrolyseur kombiniert werden. Auch in Deutschland nimmt das Konzept Fahrt auf. In Büttel (Schleswig-Holstein) und Deining (Bayern) zeigen erste Hybridparks, wie sich Energieerzeugung und Speicher effizient aufeinander abstimmen lassen.
Möglich wird dieser Fortschritt vor allem durch gesetzliche Neuerungen. Seit Anfang 2025 erlaubt das Solarspitzengesetz die gemeinsame Netzanbindung mehrerer Anlagen, selbst wenn ihre theoretische Spitzenleistung über der bisherigen Einspeisegrenze liegt. Auch wirtschaftliche Hürden beim Einsatz von Speichern wurden 2024 gelockert.
Branchenvertreter:innen sprechen von einem wichtigen Schritt zur Beschleunigung der Energiewende. Mit klaren Regelungen und engagierten Projektentwicklungen könnten Hybridparks schon bald flächendeckend zum Rückgrat einer zuverlässigen, grünen Stromversorgung werden.
💯 Zahl der Woche
8,3 Milliarden Pfund für grüne Energie: Großbritannien startet Staatskonzern
Großbritannien will bis 2030 seinen gesamten Strom aus klimafreundlichen Quellen gewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der staatliche Energiekonzern „Great British Energy“ gegründet. Das Unternehmen arbeitet eng mit Gemeinden zusammen und verfügt über ein Budget von 8,3 Milliarden Pfund für die aktuelle Legislaturperiode.
Der Ausstieg aus der Kohle ist bereits abgeschlossen. Seit September 2024 ist kein Kohlekraftwerk mehr am Netz. Erneuerbare Energien lieferten 2024 erstmals über 50 Prozent des Stroms, vor allem durch Windkraft. Auch Offshore-Anlagen, Solarkraftwerke und Atomenergie sollen in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.
Künftig sollen Offshore-Windkapazitäten verdreifacht, Genehmigungsverfahren beschleunigt und Stromnetze modernisiert werden. Auch Atomenergie bleibt Teil der Strategie. Investitionen in Speicher und Infrastruktur sind entscheidend, um Versorgungslücken zu vermeiden.
Trotz hoher Kosten und technischer Herausforderungen treibt die britische Regierung ihre Energiewende zügig voran. Mit dem staatlichen Konzern als Motor könnte Großbritannien zur Vorreiterin einer klimaneutralen Stromversorgung werden.
💪 Challenge der Woche
Lade dein Wissen zur Energiewende auf
Oft denken wir bei der Energiewende zuerst an Solarzellen auf Dächern oder Windräder in der Landschaft. Doch um Strom auch bei Dunkelheit oder Windstille zuverlässig bereitzustellen, braucht es mehr. Entscheidend sind intelligente Stromnetze und moderne Speichertechnologien.
Dazu zählen unter anderem Batteriespeicher, Wärmespeicher, Pumpspeicherkraftwerke oder Wasserstofflösungen. Sie helfen dabei, Strom zu speichern und genau dann verfügbar zu machen, wenn er gebraucht wird.
Diese Technologien spielen eine zentrale Rolle für ein stabiles und klimafreundliches Energiesystem. Ein genauerer Blick auf die Systeme zwischen Erzeugung und Nutzung hilft dabei, die Energiewende als Ganzes zu begreifen.
Deshalb lautet die Challenge in dieser Woche: Lies einen Artikel, hör einen Podcast oder sieh ein Video über Energiespeicher oder Stromnetze der Zukunft. Mach dich schlau und bring das Thema ins Gespräch mit anderen.
💡 Hier sind nur ein paar Tipps zum Einstieg:
- Terra X - die Wissens-Kolumne: Mit Solar- und Speicherboom Klimaziele retten
- Stiftung Energie & Klimaschutz: Podcast zur Energiezukunft
- Die Wahrheit über die Energiewende – neuer Podcast ALLES WIRD STROM
- Max-Planck-Gesellschaft: Wie Europa die Energiewende bewältigt
- energiezukunft: Wie das Stromnetz Schritt hält mit der Energiewende
- BMWE: Bedeutung von Speichern für die Energiewende
📣 Lust, dein Wissen zu teilen? Sprich mit anderen über das, was du gelernt hast. Zum Beispiel beim Abendessen, im Büro oder in deiner Freundesgruppe. Oder teile den besten Artikel oder Podcast, den du gefunden hast.
🔌 Warum das wichtig ist: Viele sprechen über die Energiewende, aber viele der Prozesse dahinter bleiben im Alltag unsichtbar. Wer versteht, wie Strom gespeichert und verteilt wird, kann besser einordnen, mitreden und bewusst entscheiden. Mehr Wissen bedeutet auch mehr Möglichkeiten, sich einzubringen und gemeinsam eine nachhaltige Zukunft mitzugestalten.
Vielen Dank fürs Lesen der KlimaGoodNews #77 💚
Wir freuen uns schon auf die nächste Ausgabe mit positiven Nachrichten für eine nachhaltigere gemeinsame Zukunft!