#78 KlimaGoodNews: Zwischen Hitze und Hoffnung
Die Landwirtschaft steht in der Klimakrise vor einer doppelten Herausforderung: Sie ist besonders stark von Folgen wie Dürren, Hitze und Starkregen betroffen und verursacht selbst erhebliche Emissionen. Rund 11 % der Treibhausgase in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft – vor allem Methan und Lachgas, die ein Vielfaches klimaschädlicher sind als CO₂. Das macht deutlich, wie notwendig ein grundlegender Wandel ist, um sowohl Klimaschutz als auch Ernährungssicherheit langfristig zu sichern.
Solch ein Wandel bringt erhebliche Veränderungen mit sich und eröffnet zugleich bedeutende Chancen für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Eine geringere Tierhaltung, der Schutz von Böden und Mooren oder die Stärkung des ökologischen Landbaus können dabei wertvolle Beiträge leisten. Innovative Anbaukonzepte helfen zusätzlich, Lebensmittelproduktion, Klimaschutz und Ressourcenschonung besser miteinander zu verbinden. Doch viele Betriebe stehen vor ökonomischen Zwängen, strukturellen Abhängigkeiten und hohen Investitionshürden. Damit eine Transformation gelingt, braucht es klare politische Rahmenbedingungen, verlässliche Förderungen und die Bereitschaft, Landwirtschaft als Schlüsselakteurin des Klimaschutzes neu auszurichten.
Eine nachhaltige Landwirtschaft kann dann zur zentralen Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise werden, indem sie nicht nur Nahrungsmittel sichert, sondern zugleich aktiv Emissionen reduziert und unsere Ökosysteme widerstandsfähiger macht. Ganz im Zeichen dieser Transformation steht deshalb die aktuelle Ausgabe der KlimaGoodNews. Viel Freude beim Lesen 💚
Agroforstwirtschaft stabilisiert landwirtschaftliche Erträge
Agroforstsysteme gelten als Hoffnungsträger für die Landwirtschaft im Klimawandel. Eine neue Langzeitstudie der Universität Hohenheim zeigt nun, dass Bäume auf dem Acker helfen können, Erträge auch in Trockenjahren zu sichern. Zwischen 2012 und 2023 untersuchten Forschende fünf Winterkulturen auf einer Versuchsfläche in Baden-Württemberg.
Die verschiedenen Gehölzstreifen, darunter Hecken, Walnussreihen und Weidenplantagen, beeinflussten das Mikroklima spürbar. Sie senkten die Windgeschwindigkeit, milderten Temperaturschwankungen und reduzierten die Verdunstung. Besonders stabil blieben die Erträge in Bereichen nahe der Baumreihen, selbst bei Wassermangel. Die Studie zeigt, dass Agroforst landwirtschaftliche Flächen robuster gegenüber Klimarisiken machen kann. Entscheidend für den Erfolg ist die Auswahl geeigneter Gehölzarten sowie ihre sorgfältige Anordnung auf dem Feld.
Richtig geplant, stärkt Agroforst nicht nur die Ertragssicherheit, sondern trägt auch zur Biodiversität und zum Bodenschutz bei. Seit 2023 sind solche Flächen in Deutschland förderfähig, was den weiteren Ausbau dieser Anbaumethode unterstützt.
Deutschlands größter Agri-Solarpark nimmt Betrieb auf
In Lemwerder in Niedersachsen hat Landwirt Henning Kruse den bislang größten Agri-Solarpark Deutschlands in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von 18 Hektar erzeugen 26.000 Solarmodule jährlich rund 15 Gigawattstunden Strom. Damit können etwa 6.600 Haushalte versorgt werden.
Das Projekt verbindet Landwirtschaft und Solarenergie auf einer Fläche. Während die Module Strom produzieren, wächst darunter Futter für die Tiere. Diese Form der Doppelnutzung wird als Agri-Photovoltaik bezeichnet und bietet großes Potenzial für die Energiewende im ländlichen Raum.
Trotz bürokratischer Hürden und technischer Herausforderungen realisierte Kruse den Park ohne Investor:innen oder Fördermittel. Damit zeigt er, wie landwirtschaftliche Betriebe aktiv zum Klimaschutz beitragen und neue Perspektiven für eine nachhaltige Flächennutzung eröffnen können.
🎊 Earthly Delights
KI und Satellitendaten verbessern Erntevorhersagen
Forschende am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern haben ein System entwickelt, das Ernteprognosen deutlich präziser machen kann. Grundlage sind hochauflösende Satellitenbilder der Sentinel-2-Satelliten, die im Fünf-Tage-Rhythmus die Erdoberfläche erfassen. Ergänzt werden diese durch Wetterdaten, topografische Informationen, digitale Bodenmodelle und Sensordaten von Landmaschinen.
Ein speziell trainiertes KI-Modell nutzt die Daten, um den Wachstumsverlauf verschiedener Nutzpflanzen zu analysieren und die voraussichtliche Erntemenge zu berechnen. Das unterstützt Landwirt:innen bei der gezielten Planung von Düngung, Bewässerung und Ernte. Erste Ergebnisse zeigen eine hohe Übereinstimmung mit tatsächlich gemessenen Erträgen.
In Rheinland-Pfalz wird das System bereits getestet, perspektivisch könnten die Erkenntnisse weltweit genutzt werden. Die Verbindung aus KI und Fernerkundung eröffnet damit neue Möglichkeiten für eine ressourcenschonende und klimaangepasste Landwirtschaft.
💯 Zahl der Woche
7 Bio-Verbände gründen Allianz für eine stärkere Marktposition
Sieben Bio-Verbände aus Deutschland, Österreich und Italien haben die „Bio Allianz“ ins Leben gerufen. Ziel der länderübergreifenden Kooperation ist es, die Marktposition von Bio-Betrieben zu stärken und ihre Interessen politisch wirksamer zu vertreten.
Mitglieder der neuen Allianz sind unter anderem Bioland, Bio Austria, Biokreis und Demeter Österreich. Die Organisation will Qualitätsstandards besser abstimmen, die Versorgung mit Bio-Rohwaren verbessern und sich gemeinsam für faire Erzeugerpreise einsetzen. Auch die Nachhaltigkeitsleistungen der Bio-Betriebe sollen sichtbarer gemacht werden.
Die Allianz versteht sich als Reaktion auf aktuelle Herausforderungen im Bio-Sektor. Ein stagnierender Markt, wachsender Preisdruck, politische Unsicherheiten sowie die Vielzahl unterschiedlicher Verbandsstandards, die für Unübersichtlichkeit sorgen, bringen einzelne Organisationen an ihre Grenzen.
Durch die Bündelung von Kräften über Landesgrenzen hinweg soll die ökologische Landwirtschaft gestärkt und zukunftsfähig gemacht werden. Die Identität der einzelnen Verbände bleibt dabei erhalten. Die Gründung der Allianz setzt damit ein wichtiges Zeichen für mehr Zusammenarbeit und Verlässlichkeit im Bio-Sektor.
💪 Challenge der Woche
Unterstütze nachhaltige Betriebe in deiner Nähe
Bio-Höfe, Hofläden und solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) sind mehr als nur Einkaufsorte: Sie stehen für faire Preise, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Landwirtschaft. Wer direkt bei Erzeuger:innen kauft, stärkt nicht nur die Betriebe, sondern sorgt auch dafür, dass Lebensmittelwege kürzer werden und Vielfalt erhalten bleibt.
Die Challenge dieser Woche lautet deshalb:
🥕 Unterstütze einen Bio-Betrieb, einen Hofladen oder eine solidarische Landwirtschaft in deiner Nähe.
Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Hier nur ein paar Vorschläge:
- Kaufe Lebensmittel wie z.B. Eier, Gemüse oder Brot direkt im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt.
- Informiere dich über eine SoLaWi-Gruppe in deiner Umgebung – viele bieten Probemöglichkeiten an.
- Entdecke regionale Bio-Produkte im Supermarkt und lerne die Betriebe dahinter kennen.
So findest du passende Projekte:
- Über solidarische-landwirtschaft.org kannst du SoLaWis in deiner Nähe suchen. Dort findest du auch Infos zum neuen SoLaWi-September, bei dem Höfe bundesweit Aktionen anbieten.
- Auf oekolandbau.de findest du verschiedene Übersichten zu regionalen Bio-Betrieben.
- Über heimischehoflaeden.de kannst du gezielt Hofläden in deiner Region per PLZ-Suche finden.
- Viele Städte und Gemeinden haben eigene Übersichten zu Wochenmärkten und Bio-Höfen. Ein Blick auf die Website deiner Stadt lohnt sich.
Teile deine Erfahrungen am besten mit anderen. Jede Entscheidung für regionale Bio-Produkte stärkt Betriebe vor Ort und fördert eine nachhaltige Landwirtschaft. Gemeinsam können so Strukturen entstehen, die unsere Ernährung zukunftsfähig machen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten! Viel Freude beim Entdecken 🤝🌾✨
Vielen Dank fürs Lesen der KlimaGoodNews #78💚
Wir freuen uns schon auf die nächste Ausgabe mit positiven Nachrichten für eine nachhaltigere gemeinsame Zukunft!